Naja, nicht nur über mich. Auch über mein Hobby...
Seit knapp acht Jahren, also seit 2003, hat sich die Fotografie als Hobby für mich etabliert. Damit bin ich, mit Baujahr 1975, wohl als Späteinsteiger zu bezeichnen, nicht wahr? Gern würde ich berichten, dass ich schon in meinen Kinderschuhen von Papa eine Rolleiflex oder eine alte Kodak in die Hand gedrückt bekam - dem ist aber (leider) nicht so. Seufz.
Tatsächlich ist es irgendwie bei mir umgekehrt: ich kam durch meine Tochter zur Fotografie. Danke, Kleines! Denn ich kaufte meine erste eigene Kamera kurz vor der Geburt meiner Tochter - und damit fing es an...
Um meine fotografischen Versuche und vielleicht auch die eine oder andere Geschichte zu präsentieren, habe ich diese Seite eingerichtet.
Nur: wie kommt es eigentlich dazu, dass ich meine Freizeit gern verbringe, indem ich durch den Sucher einer Kamera schaue? Was ist der Kick dabei?
Das ist wohl gar nicht so einfach zu erklären, aber ich versuche es mal. Deshalb finden sich hier in lockerer Ordnung Blog-Einträge zu allem, was mir in Sachen fotografischer Werdegang und zum Hobby Fotografie generell so einfällt. Mal sehen, was draus wird.
Das Ding mit der Schärfe (Teil 1)
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Für die Technikbegeisterten unter den Fotografen ist die Bildschärfe ein wirklich wichtiges Kriterium. Es gibt ja auch kaum Schlimmeres, als wenn ein Bild unscharf daherkommt. Nun, zumindest ist das bei Bildern so, wo man Schärfe "auf den Punkt" erwartet (und erwarten sollte). Aber muss das bei allen Bildern so sein? Dieser Beitrag beleuchtet ein wenig, was Schärfe eigentlich ist und räumt mit der Vorstellung auf, dass Schärfe Kriterium #1 für ein "gutes Bild" ist. "Gute Bilder", denke ich, definieren sich möglicherweise auch durch eine gute Detailwiedergabe - also die Schärfe. Aber halt nicht nur, und auch die Priorität der technischen Perfektion möchte ich hier mal in Frage stellen. Die Frage also: Was ist Schärfe eigentlich? Ich will hier keine "Depth-of-Field"-Berechnungen anstellen oder über Unschärfekreise und die Auflösungsfähigkeit unserer Augen fachsimpeln. Dazu kann der geneigte Leser gern Google oder Wikipedia bemühen. Ich möchte einen einfacheren Ansatz verfolgen, wenn es darum geht, Schärfe zu definieren. Schärfe ist die Antwort auf die Frage Erkenne ich auf einem Abzug / einem Foto alle Details, wie ich sie erwarte? |
Mal ehrlich: ist dieser Tautropfen scharf? |
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Denn bei dieser Fragestellung wird die technische, physikalische und biosensorische Frage mal auf das Wesentliche reduziert. Ich fotografiere bspw. ein Portrait. Entfernung Kamera - Gesicht ca. 2-3m, Brennweite ca. 70-80mm, Blendenzahl F4-5.6 (wenn man Menschen oder Tiere fotografiert, so lautet eine Regel, dass man bei einer knappen Schärfenebene auf die Augen fokussieren sollte. Befindet sich das Motiv in schräger Position zur Bildebene und ist es damit nicht möglich, auf beide Augen zu fokussieren, so sollte man das nähere wählen). Wenn ich das gefertigte Portrait nun auf dem PC-Monitor betrachte, sagen wir, die Bildschirmaufösung ist 1.600x900 Punkte und meine Augen sind ca. 60cm vom Bildschirm entfernt, so wird dieses Bild i.d.R. bei weitem (!) scharf genug wirken. In der bildschirmfüllenden Ansicht aber kann ich keine einzelnen Wimpern erkennen oder aber die Farbnuancen in der Iris auseinanderdividieren. Die Frage ist nun: muss ich das denn?
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Ist dieses Foto scharf? Na... jetzt aber! |
Diese Frage kann man nur beantworten, wenn man zwei Dinge einbezieht: das Ausgabemedium und den normalen Betrachtungsabstand. Als Ausgabemedium nenne ich mal beispielhaft:
Tatsächlich bestimmt das Ausgabemedium den Betrachtungsabstand schon ein wenig mit: während die mittlere Entfernung zu einem PC-Monitor ca. 50-70cm betragen dürfte, liegt er bei Printmedien in etwa bei der Abmessung einer Diagonalen durch das jeweilige Medium. Bei einem Poster von ca. 50x75cm sind das im Mittel etwa 90cm. Ein solches Poster betrachten wir also normalerweise aus einer Entfernung, die es selbst mit guten Augen nicht mehr erlaubt Bildpunkte auszumachen, die kleiner sind als ca. 1/4mm. Dies wiederum entspricht einer lausigen Auflösung von ca. 110 dpi 1).
Das aber heißt im Umkehrschluss: selbst, wenn die ursprüngliche Aufnahme in der 100%-Ansicht 2) auf dem Monitor etwas (!) schwammig wirkte - am Poster ist das bei einer Auflösung von ca. 10 Megapixeln völlig egal! 10 Megapixel, das heißt, eine Bilddatei ist 3.888 x 2.592 Pixel groß; das ergibt eine Auflösung von gut 130 dpi. Reicht also völlig aus für Poster 75x50cm... oder reicht das auch für größere Abzüge?! Wir rechnen mal nach... auf einer Größe von 60x90cm hätten wir "nur" noch ca. 110 dpi. Grenzwertig? Eher nicht, sage ich. Denn ein 90x60cm-Poster betrachte ich aus... na? Gut 108cm ist die Diagonale. Das wiederum heißt, unser Auge kann dann nur noch ca. 1/3mm große Punkte ausmachen. Macht's klick?
Wenn man das mal weiterspinnt, wird einem auch schnell klar, warum Werbeplakate in Meterformaten so lausig gedruckt werden können. |
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Das Zauberwort ist "Betrachtungsabstand". An einer Werbetafel laufen oder fahren wir vorbei, i.d.R. nehmen wir sie aus einer Entfernung von mehr als 5, 6 Metern wahr. Aus dieser Entfernung aber kann selbst ein menschliches Wunderkind mit Adleraugen kaum mehr als 2mm große Bildpunkte unterscheiden. Schaut euch mal ein solches Plakat aus der Nähe an...
Mehr über Schärfe, dann unabhängig vom Ausgabemedium, demnächst in Teil 2 dieses Artikels.
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| 1) DPI ist die Abkürzung für "dots per inch", also Punkte pro Zoll. Will man wissen, wieviele Punkte das pro cm sind, so dividiert man die Zahl durch 2,54. Je höher der DPI-Wert, umso höher die Auflösung eines Bildes auf einem Medium und damit die theoretische Möglichkeit, Details wiederzugeben. | 2) 100%-Ansicht bedeutet, ein Pixel in der Aufnahme wird als ein Pixel auf dem Bildschirm gezeigt. Beachtet man die Auflösungen der Ausgabemedien, besonders der Printmedien, und der Betrachtungsabstände, so bedeutet das einen gigantischen Zoom ins Bild. Außer bei einer alten Handykamera mit 300.000 Pixeln... einfach mal nachrechnen. |
Schule für's Sehen
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Scheinbar hatte ich immer schon einen Hang zur genauen Beobachtung; zumindest sagen das viele, die mich kennen. Das zeigte sich auch schon darin, dass ich (und das ist bis heute so) Fernsehwerbung irgendwie anders schaue als andere. Ich schaue gern Werbung... komisch, nicht wahr? Aber Werbung gibt uns immer viele Informationen komprimiert auf kleiner "Raumzeit", wenn man so will. Jeder cm² Anzeigenfläche in der Zeitung, jede Sekunde im Fernsehen kostet viel Geld. Ein interessantes Feld, um Nuancen, Inhalte und Strukturen genau zu analysieren. Ein Kamerasucher komprimiert die Welt auch irgendwie. Jeder Blick durch ihn zeigt die Welt in einer Art Rahmen, und was immer man abbilden will, muss dort hinein. |
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Deshalb zwingt der Blick auf die Welt durch einen Kamerasucher zur genauen Beobachtung; im Kopf bildet sich eine Zielvorstellung dessen, was man abbilden will, und das bewusste Sehen ist der erste Schritt. Entgegen landläufiger Meinung nämlich ist es nicht der Moment des Auslösens, in dem das Bild entsteht - die Belichtung von Film oder Chip ist ganz im Gegenteil der letzte Schritt in der Bildentstehung (vom Postprocessing am PC oder in der Dunkelkammer mal abgesehen). Durch das Hobby geht man mit anderen Augen durch die Welt, ob man nun tatsächlich gerade durch den Sucher schaut oder mit unbewehrtem Auge unterwegs ist. Man versucht ständig, Motive zu erkennen, im Alltag, beim Spaziergang, beim Einkaufen, einfach überall. Formen und Farben treten in den Vordergrund, und die räumlichen Beziehungen der Dinge, die einem "ins Auge fallen", untereinander werden offenbar. Man durchdenkt im Kopf geeignete Brennweiten und versucht, sich im vorhinein Bildwirkungen auszumalen. |
Porto Ottiulo, Sardinien - 2011 |
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Insgesamt schärft es das Bewusstsein für die Umgebung. Ein wirklich interessanter Vorgang, finde ich. Manchmal ist das Ergebnis zufriedenstellend... daher hier oben ^^ mal ein Beispiel für die etwas andere Art eines Urlaubsfotos. Mir gefällt's - es zeigt auch, dass man nicht immer eine vollständige Dokumentation einer Umgebung anfertigen muss, um einen Eindruck wiederzugeben. |
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Technik
Irgendwie ist das schon auch so ein Männerding, mal ehrlich. Je mehr Knöpfe ein Gerät hat, und je komplizierter es zu bedienen ist, umso mehr können wir Chromosomen-Krüppel uns doch (an dieser Stelle suche ich Lautschrift für das Tim-Allen-Grunzen) als Herren der Welt fühlen, wenn wir es beherrschen. Ja, mir geht's irgendwie auch so. Gut, das Beherrschen ist ein ständiger Prozess, irgendwie ist der Weg auch das Ziel und - nun, auch wenn durch besseres Equipment die Fotos nicht unbedingt im gleichen Maße besser werden, so macht es doch einfach mehr Spaß (und man hat keine Ausreden mehr, wenn das Bild nicht so wird, wie man es sich gedacht hat... es wird sich schon immer ein Grund finden, warum das Ergebnis nicht ganz so perfekt geworden ist).
Männer sind technikverlilebt - verallgemeinert gesagt. Deswegen wissen wir etwas über Panzer und Atombomben, können einen Festplattenrecorder programmieren und brauchen kein Handbuch, wenn wir irgend ein neues Gerät in Betrieb nehmen wollen (vorausgesetzt, es verfügt über Stecker oder Akku). Und eine moderne DSLR halbwegs zu beherrschen, ist schon ein Technikding. Umso mehr, wenn man keine Automatik verwendet.
Denn die verschiedenen Automatiken lehne ich ab. Mit der Auto-ISO-Funktion bei Canon bin ich nie richtig warm geworden, daher verwende ich sie nicht; weder Voll- noch "Kreativ-"Automatik der 5D Mark II halte ich für sinnvoll, wenn man bewusst fotografieren will.
Ich denke mal, 95% meiner Bilder entstehen im Modus Av (d.h., ich wähle die gewünschte Blende, und die Kamera ermittelt bei eingestelltem ISO-Wert und der Belichtungsmessmethode die Belichtungszeit). Wird die Zeit zu lang, so erhöhe ich den ISO-Wert - eigentlich ganz einfach. Durch das zweite Einstellrad, welches ich schon von der 40D gewohnt war, erlaubt meine Knipse einen einfachen Belichtungsausgleich, für den man allerdings ein wenig Gefühl entwickeln muss. Aber das ist eigentlich wirklich überschaubar. Die restlichen 5% entstehen im Modus M im Studio, weil dort feste Belichtungszeit und Blende vorgegeben werden - den Rest regelt man über den Blitz.
Also doch kein Technikding, die Fotografie? Alles ganz einfach?
Na, irgendwie schon - aber es geht darüber hinaus, die Technik zu beherrschen. Es gibt einfach noch viele andere Aspekte, nicht nur technische; eine ausgewogene Belichtung ist zwar die Grundlage eines gelungenen Bildes. Aber man darf nicht vergessen, dass die Kamera dumm ist und das ein gelungenes Foto aus mehr als einer gelungenen Belichtung besteht.


