Taschen und Rucksäcke

Der Nachteil einer DSLR gegenüber einer Westen- oder Jackentaschenkamera ist, dass man meist eine spezielle Tasche für sie braucht. Nicht nur die Kamera will untergebracht sein, auch ein bis X Objektive, Akkus, Speicherkarten und so weiter... daher hier die eine oder andere Erfahrung in Sachen Tasche/Rucksack.

Naneu Pro Alpha

Wenn die Ausrüstung Maße annimmt, die nicht mehr in eine kleine Tasche passen, dann ist auch meist der Punkt erreicht, wo das Gewicht auf einer einzigen Schulter schon arg drückt und danach verlangt, es auf zwei zu verteilen. Wer soweit ist, wird beginnen, über einen Fotorucksack nachzudenken.

Nachdem ich die erste Zeit über eine Umhängetasche verwendet hatte, die a) wirklich scheiße aussah und b) zu klein wurde, begab ich mich auf die Suche nach einem guten, bezahlbaren Kamerarucksack mit sog. "Daypack", also etwas Platz für kamerafremdes Fotografen-Zubehör wie Müsliriegel, Regenjacke und Wasserflasche.

Ich landete nach einiger Suche beim Naneu Pro Alpha, einem Modell aus den USA, das bei uns schwierig zu bekommen ist; ich habe es über ebay gekauft. Allerdings gibt es auch Händler in Holland, die zwar 20€ Versand verlangen, im Endpreis dann aber gleichauf sind: der Rucksack kostet nur (!) ca. 50-60€, je nach Verkäufer. Zuerst, vor dem Review in gewohnter Manier

meine Bewertung: * * * * * (4/5)

  1. Zur Verarbeitung: Der Rucksack macht einen hochwertig verarbeiteten Eindruck, und der hat sich bei mir seit mittlerweile ca. 3 Jahren nicht geändert. Ich habe das schwarze Modell gewählt, es gibt ihn auch noch in Olivgrün - mehr Informationen auf der Herstellerseite, wo man auch noch andere Modelle findet. Die Nähte sind sehr stabil, die Gurte gut gepolstert und sehr gut anpassbar. Bauch- und Brustgurt sind an Bord und erlauben das bequeme Tragen des Gesamtpakets; eine Handytasche, eine Regenhaube und ein Netz für eine kleine Wasserflasche sind im Lieferumfang enthalten.
  2. Das Kamerafach: das Kamerafach, und das ist das Besondere, befindet sich im Boden des Rucksacks und ist nur von der Rückseite zugänglich. Das bedeutet zwar einerseits, dass man den Rucksack absetzen muss, um an die Kamera zu kommen, gewährleistet aber andererseits den wohl bestmöglichen Diebstahlschutz. Ich hätte keine Bedenken, mich mit dem Rucksack auf einen dicht gedrängten Markt im Nahen Osten zu stürzen; naja, zumindest hätte ich dort keine Angst, dass mir einer die Knipse aus dem Rucksack klaut... (das ballistische Nylon des Rucksacks hilft glaube ich bei Selbstmordattentaten wirklich nur bedingt). Jedenfalls sind einige Trenner und Einteiler im Lieferumfang, die es erlauben, das Fach flexibel einzuteilen und an die eigene Ausrüstung anzupassen. Das Platzangebot, das muss man zugeben, ist nicht sehr üppig: große Kamera-Objektiv-Kombinationen wie eine 1D + 70-200/2.8 oder Vergleichbares finden schwer Platz. Aber ich trage derzeit folgendes darin mit mir herum:
  • die Knipse, eine 5D Mark II
  • ein Standardzoom, das EF24-70/2.8L
  • mein Makro, das Sigma EX150/2.8
  • mein Lichtfanggerät, wenn's dunkel wird: das EF50/1.4 und
  • mein Blitzdings, falls das 50/1.4 immer noch zu dunkel ist, den 430EX II
  1. Daypack: mir war es wie gesagt wichtig, dass ich neben dem Kamerakram auch noch Familienzubehör mitnehmen kann. Da wir überwiegend mit zwei Kindern unterwegs sind, ist eine Trinkflasche und ein Päckchen Feuchttücher immer gern gesehen; auch ein wenig Proviant und Knabberkram passen locker in das Daypack hinein, das oberhalb des Kamerafachs gelagert ist. Übrigens kann man die Trenneinlage zwischen dem Daypack und dem Kamerafach sowie letzteres selbst auch komplett entfernen und hat dann einen sehr stabilen, bequemen und geräumigen Wander- und Allzweckrucksack - von mir wirklich ein +1 deswegen.
  2. Weitere Taschen + Stativhalterung: der Pro Alpha bietet vorn noch zwei aufgesetze Taschen, die problemlos Akkus und Speicherkarten in größerer Zahl aufnehmen. Zwischen diesen aufgesetzten Taschen und dem eigentlichen Rucksack findet sich noch ein mehrfach eingeteiltes, großes Zubehörfach, in dem bei mir Kamerahandbuch, Kabelauslöser, ein paar Bastelklemmen, Blitzbouncer, Farbfolien, Blasebalg und Pinsel, Kugelschreiber, Taschenlampe uvm. ein lustiges Stelldichein geben. Das Problem hier ist, dass eine noch so ausgefeilte Einteilung nie zu dem passt, was man unterbringen will. Wertvoll ist das Netzfach, welches eine Menge Kram aufnehmen kann und mit einem Reißverschluss zu verschließen ist. Daneben bringt der Naneu noch zwei größere Reißverschlussfächer mit, eines davon geht von oben nach unten durch und nimmt auch Wanderkarten o.ä. auf. Sehr sinnvoll und verstaubar ist die seitlich gelagerte Stativhalterung, die problemlos mit Dreibeinen bis ca. 3kg klar kommt. Die seitliche Lagerung ist einerseits platzsparender, andererseits wird natürlich auch der Schwerpunkt seitlich aus der senkrechten Achse heraus verlagert, was auf Dauer unbequem werden kann.

Mein Fazit: ein toller Rucksack, vor allem zu dem Preis - vergleichbare Modelle von Kata, LowePro und Co. kosten gern das Drei- bis Vierfache. Ich werde ihn noch lange behalten; und wenn es neues Glas gibt, dann hoffe ich, dass auch das noch irgendwie reinpasst. Zum Platzangebot ist ja auch zu sagen, dass man ja selten wirklich die ganze Ausrüstung mitschleppt. Wenn bei mir bspw. noch ein Weitwinkel und ein Telezoom dazukämen, dann wäre sicher kaum jemals alles im Rucksack. Schließlich will ich meine Bandscheiben auch nicht überbeanspruchen...

Für alle Unentschlossenen, die nach Taschen oder Rucksäcken für ihr Equipment suchen, kann ich auch noch eins empfehlen: schaut euch mal diese Seite an. Da werden Sie geholfen...