Objektive

Objektive - sie tragen mehr zur Bildqualität bei als die Kamera, so die landläufige Meinung. Ich denke, dass das stimmt. Daher eine eigene Kategorie für die (mehr oder weniger) teuren Gläser.
Grundsätzlich unterscheidet man...
- ... anhand der Brennweite Weitwinkel-, Normal- und Teleobjektive. Manche gehen auch noch etwas weiter und nennen am unteren Ende noch die Super-Weitwinkel und am oberen Ende analog die Super-Teles.
- ... Festbrennweiten und Zoomobjektive. Erstere haben immer die gleiche, feste Brennweite und damit den gleichen Bildwinkel; man kann einen anderen Bildausschnitt nur ablichten, indem man oder das Motiv sich bewegt. Das nennz man auch "Turnschuh-Zoom". Zoomobjektive dagegen erlauben mit einem Dreh die Veränderung der Brennweite. Beispiel: ein 70-200mm-Objektiv erlaubt die Veränderung der Brennweite genau in diesem Bereich: von 70mm bis 200mm.
- ... anhand spezieller Einsatzgebiete noch solche Objektive wie Tilt-and-Shift ("TS"), Makro- oder Lupenobjektive oder Effektlinsen wie Lensbabies oder Pinholes.
Canon EF50/1.4 USM
Über ein 50mm-Objektiv an einer Kleinbildkamera braucht man eigentlich kein Review mehr zu schreiben; schon gar nicht über das Canon EF50/1.4, das bezahlbare und doch lichtstarke Standardobjektiv für EOS-Kameras. Ich versuche es trotzdem - warum? Nun, weil ich es sehr mag.
Meine Bewertung: * * * * * (4/5)
Zunächst mal zur Philosophie eines Standard- oder auch Normalobjektivs: als Standardbrennweite bezeichnet man jene, die in etwa (!) der Diagonalen des Aufnahmemediums entspricht. Für eine APS-C-Kamera entspricht das ca. 27mm, daher gibt es z.B. Objektive wie das Sigma 30/1.4. Dieses Verhältnis zwischen Brennweite und der Diagonale des Medium sorgt für eine klassische Perspektive, die i.d.R. unserer Wahrnehmung entspricht. 50mm gelten als Standardobjektiv, weil die Diagonale des Kleinbildfilms (36x24mm) so in etwa (!) dieser Brennweite entspricht. Na gut, tatsächlich sind es ca. 43mm, aber wer rechnet schon nach... beim Mittelformat übrigens (60x60mm misst ein Negativ auf 120er Rollfilm) sind es 84mm, weshalb im MF-Sektor die 80mm als Normalbrennweite gelten.
Zurück zum 50/1.4: auch wenn seine Bauart - vom Wechsel der Antriebstechnik einmal abgesehen - seit den siebziger Jahren nahezu unverändert ist (es gab auch schon für das 1971 von Canon eingeführte FD-Bajonett ein 50/1.4 und später eine vergütete Version, das 50/1.4 S.S.C.), so scheint der Erfolg dem Objektiv recht zu geben. Es ist durchweg beliebt, und das sowohl bei Besitzern von APS-C-Kameras als auch bei solchen, die das KB-Format bevorzugen. Während es aber an KB ein Normalobjektiv ist, wirkt es an APS-C wie ein 80mm-Objektiv, also das gern genommene leichte Portrait-Tele.
Das 50/1.4 überzeugt durch ein angenehmes Bokeh, einen leisen und flotten Autofokus und tadellose Schärfe ab ca. F2 - 2.2. Nicht abgeblendet haben die Bilder allerdings eine etwas weiche Anmutung, wie evtl. nicht jedermanns Sache ist. Mir macht das nichts aus, aber für ein neutrales Review sollte man es erwähnen, denn es ist auch der Grund, warum ich keine 5 Sterne vergebe.
Auch ist die Vignettierung mit fast -1EV (bei Offenblende an KB in den Bildecken) nicht mehr zu übersehen... ein sehr schöner Effekt, der nur beim Stitching, also dem Zusammensetzen eines Bildes aus mehreren Einzelbildern, ein Problem darstellt. Die Vignettierung allerdings verschwindet nahezu beim Abblenden auf F2.5 oder mehr.
Die Hauptsache an dieser Linse aber ist ihre Kompaktheit. Bei einer Baulänge von ca. 50mm und einem Gewicht von knapp 290g wirkt es recht zierlich und kompakt - und macht damit die DSLR salonfähig und unauffällig...
Gibt es Alternativen zum Canon EF50/1.4? Natürlich gibt es die:
- Es gibt den "Joghurtbecher", wie das Canon EF50/1.8II liebevoll genannt wird. Ich kenne das Objektiv selbst nicht aus eigener Erfahrung; ich griff zum 1.4er wegen der besseren Verarbeitungsqualität, der 1/3 Blendenstufe mehr und des USM; obendrein hat das 1.8er (in der aktuellen IIer Version) ein Plastikbajonett - nicht so mein Ding. Aber das 50/1.8II kostet neu weniger als ein Drittel des EF50/1.4 und ist damit ein echtes Schnäppchen, das sehr gut abbildet und als günstiger Schnuppereinstieg den Weg in die Welt der Festbrennweiten ebnet.
- Dann natürlich das Canon EF50/1.2L USM... aus der L-Serie von Canon und abgesehen von Leica-Objektiven die Lichtstärkste Standardlinse auf dem Markt derzeit. Ich habe damals vor der Anschaffung des 1.4er mit dem Gedanken gespielt, das 1.2L zu kaufen. Sicher, Preis und Gewicht waren abschreckend (mehr als 1.200€ gehen über den Tisch und 580g Glas & Metall wechseln im Gegenzug den Besitzer), aber die Anmutung der Fotos, die mit dieser Linse gemacht wurden, sprach für sich. Der Kamerahändler meines Vertrauens allerdings riet mir ab; die Linse sei wirklich sehr speziell und im Wesentlichen auf Lichtstärke getrimmt (natürlich reizt mich das Teil immer noch - aber eine echte Alternative zum 50/1.4 ist es m.E. nicht, dafür ist es zu groß, zu schwer und... zu teuer).
- Es gibt auch noch das Sigma EX50/1.4DG HSM. Dazu mag ich hier nichts schreiben; es ist etwas teurer, größer und schwerer als das Pendant von Canon und ... ich habe es ausprobiert und war nicht zufrieden. Vielfach wird von Fehlfokussierung gesprochen, und das war wohl auch bei dem von mir getesteten Exemplar im lokalen Elektrofachmarkt der Fall. Was nützt mir eine OB von 1.4 wenn ich selbst mit F8 kein scharfes Bild erhalte? Da hilft es auch nicht, dass es offen besser sein soll als mein 1.4er (sagen die, bei denen der Fokus passt). Sei's drum, aber eine Alternative ist es halt schon.
Hier noch weitere Informationen zum Thema 50mm:
Canon EF-S17-85/4-5.6 IS USM
Die Kenner unter den DSLR-Freunden werden jetzt ein wenig die Nase rümpfen - diese Gurke? Na, na, na - eines hier mal vorweg: das Objektiv ist deutlich besser als sein Ruf.
Meine Wertung daher: * * * * * (3/5)
Es kam im Kit mit der 40D zu mir - 2007 gab es die neueren APS-C-kompatiblen Kitlinsen wie 15-85 oder 18-135 noch nicht - und begleitete mich In- und Outdoor volle drei Jahre lang. Zugegeben, es ist lichtschwach und offen nicht gerade der Kracher; aber das geringe Gewicht, der gute Stabi (2 Blendenstufen) und die enorme Flexibilität gleichen das locker aus.
Das 17-85 nämlich bildet an einer Kamera mit APS-C-Sensor einen Bereich von ca. 28-136mm ab (APS-C = 1.6mal kleiner als Kleinbild, die Kantenlänge des Sensors ist bei Canon 22.5x15mm). Damit bietet es eine enorme Flexibilität vom Weitwinkel mit 28mm bis zum mittleren Tele mit ca. 135mm. Allerdings muss man natürlich bei der Abbildungsqualität den einen oder anderen Abstrich hinnehmen; nicht jedoch bei der Fertigungsqualität - die ist wirklich gut. Trotz Plaste-Tubus klappert und wackelt nichts an der Linse, auch nach drei Jahren nicht.
Die Farbwiedergabe ist ordentlich, evtl. etwas flau, was aber Geschmackssache ist und sich per EBV auch leicht beheben lässt. Wirklich störend sind die starken Verzeichnungen und chromatischen Abberationen (CAs) im Bereich unter ca. 24mm (am Objektiv eingestellt). Das schaut nicht gut aus; auch ist die absolute Blendenzahl von F4 wirklich nur bei 17mm gegeben; ein kleiner Dreh am Zoomring befödert die Anfangsblende schnell auf 4.5 bis 5, und schon bei ca. 50mm ist F5.6 erreicht. Klar, lichtstark ist anders - aber wozu gibt's Festbrennweiten...!
Jedenfalls ist es eine prima Portraitlinse für's Studio. Bei Blitzlicht arbeitet man dort i.d.R. mit Blende 7.1 bis 8, und regelt die Belichtung mit den Blitzen; das hilft dem Objektiv, denn abgeblendet ist es wirklich auch am langen Ende 'chön 'charf.
Mein Fazit: heute bekommt man die Linse gebraucht für ca. 170-200€ - das ist ein fantastischer Preis für ein gutes Immerdrauf. Und genau das ist es.
Weitere Informationen:
-
Produktinformationen (offizelle Canon-Seite)